Die ständige Erreichbarkeit im Home-Office ist für viele Menschen eine Belastung und kann sogar krank machen. Insbesondere während der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Zunahme von Telearbeit verschwinden immer mehr die Grenzen zwischen Privat- und Arbeitsleben.

Das Europäische Parlament hat sich daher in der heutigen Plenarsitzung in Brüssel mehrheitlich dafür gestimmt, ein Grundrecht auf „Abzuschalten“ einzuführen. Der sozialpolitische Sprecher der EVP-Fraktion und CDA-Landesvorsitzende, Dennis Radtke MdEP, begrüßt diese Entscheidung: „Gerade bei der Telearbeit, vermischt sich unser Berufsleben immer mehr mit unserem Privatleben. Das ‚Abschalten‘ wird so immer schwieriger. Die Erwartung einiger Arbeitgeber, dass der Arbeitnehmer ständig erreichbar zu sein hat, konnten wir nicht akzeptieren. Das „Abschalten vom Job“ ist wichtig und muss gerade in unserer digitalisierten Welt auch als Recht definiert werden.“
Neben einigen Vorteilen, die mit der Telearbeit einhergehen, kann sich die Kultur des "always on" und die wachsende Erwartung, dass Arbeitnehmer jederzeit erreichbar sein sollten, negativ auf die Work-Life-Balance, die körperliche und geistige Gesundheit und das Wohlbefinden auswirken. Seit Beginn der COVID-19-Pandemie arbeiten mehr als ein Drittel der Arbeitnehmer in der EU von zu Hause aus. Das Recht „Abzuschalten“ war jedoch bisher nicht ausdrücklich im EU-Recht verankert. Der Bericht des Ausschusses für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten fordert, das „Recht auf abschalten“ als Grundrecht einzuführen, das es Arbeitnehmern im Homeoffice zugesteht, ihre Arbeitsverbindungen abschalten zu können.
Der angenommene Bericht sieht vor, dass in den nächsten drei Jahren zunächst nur die Sozialpartner tätig werden dürfen und gesetzliche Regelungen erst nach Ablauf dieser Frist eingeführt werden. Radtke, CDU-Europaabgeordneter aus dem Ruhrgebiet, begrüßt diese Frist ausdrücklich: „Ich bin der Meinung, dass dies ein guter und fairer Kompromiss ist. Der Kompromiss stärkt die Sozialpartnerschaften in dieser Frage. Mit dieser Lösung können also Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber zufrieden sein. Flexibles Arbeiten braucht auch einen rechtlich definierten Rahmen. Ich bin sicher dass wir letztendlich hier zu pragmatischen Lösungen kommen werden.“

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